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Mitochondrium
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Als Mitochondrium oder Mitochondrion (altgriechisch ÎŒÎŻÏ„ÎżÏ‚ mitos ‚Faden‘ und Ï‡ÎżÎœÎŽÏÎŻÎżÎœ chondrion ‚Körnchen‘;cite-ref-1[1] veraltet Chondriosomcite-ref-2[2]) wird ein Zellorganell bezeichnet, das von einer Doppelmembran umschlossen ist und eine eigene Erbsubstanz enthĂ€lt, die mitochondriale DNA. Mitochondrien kommen als kugel- oder röhrenförmige Gebilde in den Zellen fast aller Eukaryoten vor, nicht aber bei Prokaryoten.

Mitochondrien regenerieren ĂŒber die Atmungskette das energiereiche MolekĂŒl Adenosintriphosphat (ATP). Neben dieser oxidativen Phosphorylierung erfĂŒllen sie weitere essentielle Aufgaben fĂŒr die Zelle, beispielsweise sind sie an der Bildung von Eisen-Schwefel-Clustern beteiligt. Zudem betreiben sie eine eigene FettsĂ€uresynthese (mtFASII), welche essentiell fĂŒr die mitochondriale Biogenese und Zellatmung ist.cite-ref-0-3-0[3]

Contents

‱ Aufbau
‱ Mitoplast
‱ Matrix
‱ Funktion
‱ Evolution
‱ Ursprung
‱ MROs
‱ Genom
‱ Vermehrung
‱ Siehe auch
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Allgemeines

Besonders viele Mitochondrien befinden sich in Zellen mit hohem Energieverbrauch; das sind unter anderem Muskelzellen, Nervenzellen, Sinneszellen und Eizellen. In Herzmuskelzellen erreicht der Volumenanteil von Mitochondrien 36 %.cite-ref-4[4] Sie haben einen Durchmesser von etwa 0,5–1,5 Mikrometer und sehr unterschiedliche Formen, von Kugeln bis zu komplexen Netzwerken. Mitochondrien vermehren sich durch Wachstum und Sprossung, die Anzahl von Mitochondrien wird dem Energiebedarf der Zelle angepasst. Eukaryotische Zellen, die ihre Mitochondrien verlieren, können diese nicht mehr regenerieren. Es gibt auch Eukaryoten ohne Mitochondrien, z. B. einige Protozoen. Die Anzahl der Mitochondrien pro Zelle liegt typischerweise bei einer GrĂ¶ĂŸenordnung von 1000cite-ref-5[5] bis 2000 bei einem Volumenanteil von 25 %, jedoch können diese Werte je nach Zelltyp und Organismus sehr stark variieren.cite-ref-6[6] So liegt die Anzahl in der reifen Spermazelle des Menschen bei etwa vier bis fĂŒnf im MittelstĂŒck („Hals“) gelegenen Mitochondrien,cite-ref-7[7] bei der reifen Eizelle dagegen bei mehreren hunderttausend.cite-ref-8[8]

Mitochondrien werden ĂŒber das Plasma der Eizelle in der Regel nur von der Mutter vererbt, was Anlass zur Erforschung mĂŒtterlicher Verwandtschaftslinien (Matrilinien) war. Krankheiten, die durch Mutationen in mitochondrialen Genen verursacht werden, werden also normalerweise auch nur von der Mutter weitervererbt.cite-ref-9[9]

Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass auch durch das Spermium einige mĂ€nnliche Mitochondrien in das Plasma der befruchteten Eizelle (Zygote) importiert werden. Diese „mĂ€nnlichen“ Mitochondrien werden aber normalerweise recht schnell eliminiert. Es gibt jedoch einige wenige FĂ€lle, in denen Mediziner nachweisen konnten, dass die Mitochondrien des Kindes aus der vĂ€terlichen Linie stammten.

Bislang sind etwa 50 Krankheiten (Mitochondriopathien) bekannt, die durch mitochondriale Fehlfunktionen hervorgerufen werden können.cite-ref-10[10]

Der deutsche Pathologe und Histologe Richard Altmann entdeckte das Mitochondrium 1886. Die populĂ€rwissenschaftlich oft verwendete Bezeichnung „Kraftwerk der Zelle“ (englisch powerhouse of the cell) fĂŒr das Mitochondrium wurde 1957 von Philip Siekevitz geprĂ€gt.cite-ref-siekevitz-11-0[11]

Aufbau

Die HĂŒlle der Mitochondrien besteht aus einer Ă€ußeren und einer inneren Membran, die aus Phospholipid-Doppelschichten und Proteinen aufgebaut sind.cite-ref-alberts-12-0[12]cite-ref-voet-13-0[13] Beide Membranen unterscheiden sich in ihren Eigenschaften. Durch diese Membranen existieren vier unterschiedliche Kompartimente: Die Ă€ußere Membran, der Intermembranraum (der Raum zwischen den beiden Membranen), die innere Membran/die Cristae und die Matrix (der Raum innerhalb der inneren Membran).

Mitochondrien sind in der Lage, sich (durch Fusion) zu verbinden und (durch Fission) wieder zu teilen; bei Hefezellen laufen pro Minute etwa zwei Mitochondrienfusionen bzw. -fissionen ab. Daher ist keine genaue Bestimmung der aktuellen Mitochondrienanzahl einer Zelle möglich.cite-ref-14[14]

Jedoch treten Mitochondrien nicht nur als separate, bohnenförmige Organellen auf. Stattdessen können sie auch tubulĂ€re, also röhrenförmige, und teilweise verzweigte Netzwerke bilden. Form und Funktion stehen hierbei in einer engen Beziehung. Sie unterliegen vielfĂ€ltigen EinflĂŒssen und einer dynamischen Regulation.cite-ref-15[15] Solche mikrotubulĂ€ren Extensionen, die grĂ¶ĂŸer als die T-Tubuli in Skelettmuskeln sind, und die ĂŒber teilweise grĂ¶ĂŸere Distanzen Mitochondrien miteinander verbinden, ermöglichen einen intermitochondrialen Elektrolytaustausch und eine Stabilisierung des Membranpotentials. Sie werden vor allem bei mitochondrialen Myopathien beobachtet, können aber viel seltener auch in normalen Muskelzellen auftreten. Möglicherweise dienen sie dem Überleben der Mitochondrien unter Stress, wie bei der Stress-induzierten Mitophagie.cite-ref-perrotta-16-0[16]

Außenmembran

Die Ă€ußere Membran umschließt das gesamte Mitochondrium und enthĂ€lt KanĂ€le aus Proteinkomplexen, welche den Austausch von MolekĂŒlen und Ionen zwischen dem Mitochondrium und dem Cytosol ermöglichen. Große MolekĂŒle können die Membran nicht passieren.

Die mitochondriale Außenmembran, die das gesamte Organell umschließt und nicht gefaltet ist, besitzt ein GewichtsverhĂ€ltnis von Phospholipid zu Protein von 1:1 und ist damit der eukaryotischen Plasmamembran Ă€hnlich. Sie enthĂ€lt zahlreiche integrale Proteine, die Porine. Porine bilden KanĂ€le, die freie Diffusion von MolekĂŒlen mit einer Masse von bis zu 5000 Dalton durch die Membran ermöglichen.cite-ref-alberts-12-1[12] GrĂ¶ĂŸere Proteine können in die Mitochondrien eindringen, wenn eine Signalsequenz an ihrem N-Terminus an eine große Proteinuntereinheit der Translokase bindet, von der sie dann aktiv durch die Membran bewegt werden.cite-ref-neupert-17-0[17] Treten Risse in der Ă€ußeren Membran auf, so können Proteine aus dem Intermembranraum ins Cytosol austreten, was zum Zelltod fĂŒhren kann.cite-ref-chipuk-18-0[18] Die mitochondriale Außenmembran kann sich mit der des Endoplasmatischen Retikulum (ER) zusammenschließen. Diese mitochondrien-assoziierten Membranstrukturen (MAM, englisch mitochondria-associated ER-membrane) sind wichtig fĂŒr den Signalaustausch zwischen ER und Mitochondrium und spielen eine Rolle beim Lipidtransfer.cite-ref-19[19] Die Fusion wird katalysiert durch Mitofusine (MFN). Dabei handelt es sich um GTPasen der Dynamin-Superfamilie. Bei SĂ€ugetieren sind die Mitofusine MFN1 und MFN2 weit verbreitet. Beide Proteine haben eine zu 80 % identische Sequenz. Mutationen von MFN2 können beim Menschen die neurodegenerative Erkrankung Morbus Charcot-Marie-Tooth Typ 2A (CMT2A) hervorrufen.cite-ref-20[20]

Intermembranraum

Der Intermembranraum (Membranzwischenraum) ist der Raum zwischen der Ă€ußeren Membran und der inneren Membran. Da die Ă€ußere Membran frei durchlĂ€ssig fĂŒr kleine MolekĂŒle ist, ist die Konzentrationen von kleinen MolekĂŒlen wie Ionen und Zuckern im Intermembranraum identisch mit der im Cytosol.cite-ref-alberts-12-2[12] Große Proteine allerdings benötigen eine spezifische Signalsequenz, um durch die Membran transportiert zu werden, sodass sich die Zusammensetzung der Proteine zwischen Intermembranraum und Cytosol unterscheidet. Ein Protein, das auf diese Art im Intermembranraum gehalten wird, ist Cytochrom c.cite-ref-chipuk-18-1[18]

Innere Membran

Die Proteine der inneren Membran lassen sich nach ihrer Funktion in fĂŒnf Gruppen einteilen:cite-ref-alberts-12-3[12]

1. Proteine der Komplexe fĂŒr den Elektronentransport der Atmungskette, die Redox-Reaktionen durchfĂŒhren
2. ATP-Synthasen fĂŒr die Synthese von ATP in der Matrix
3. Transport-Proteine fĂŒr den Eintritt und Austritt von Metaboliten
4. Proteine der Membrankomplexe fĂŒr den Einbau und Transport von Proteinen
5. Proteine fĂŒr die Verschmelzung (Fusion) und fĂŒr die Teilung (Fission) von Mitochondrien

Die innere Membran enthĂ€lt die verschiedenen Proteinkomplexe der Atmungskette fĂŒr die oxydative Phosphorylierung und hat ein GewichtsverhĂ€ltnis von Phospholipid zu Protein von 1:3. Mehr als 150 verschiedene Arten von Polypeptiden und rund ein FĂŒnftel aller Proteine eines Mitochondriums sind in der inneren Membran lokalisiert.cite-ref-alberts-12-4[12] Ihre lipidhaltige Doppelschicht ist reich an Cardiolipin. Dieses 1942 zuerst in Rinderherzen entdeckte Phospholipid ist kennzeichnend fĂŒr mitochondriale und bakterielle Plasmamembranen und so auch in Prokaryoten zu finden.cite-ref-mcmillin-21-0[21] Cardiolipin enthĂ€lt vier FettsĂ€uren anstelle von sonst zwei und trĂ€gt zur IonenundurchlĂ€ssigkeit der Membran bei.cite-ref-munk-22-0[22] Im Gegensatz zur Ă€ußeren Membran enthĂ€lt die innere Membran keine Porine und ist fĂŒr wasserlösliche MolekĂŒle nahezu undurchlĂ€ssig. Fast alle Ionen und MolekĂŒle benötigen daher fĂŒr den Durchtritt spezielle Membrantransporter. Proteine werden mittels Oxa1 in die innere Membran transportiert und via der Translokase der inneren Membran (TIM) in die Matrix.cite-ref-neupert-17-1[17] DarĂŒber hinaus existiert zwischen dem Intermembranraum und der Matrix ein Membranpotential, aufgebaut durch die EnzymaktivitĂ€t der Atmungskette.

Die innere Membran umschließt den internen FlĂŒssigkeitsraum des Mitochondriums, dessen Matrix. Diese entspricht dem Cytosol von Bakterien und enthĂ€lt die mitochondriale DNA (mtDNA), die Enzyme des Citratzyklus und eigene mitochondriale Ribosomen (Mitoribosomen).

Aufbau der inneren Membran

Der Cristae-Typ (von lat. crista „Kamm“) besitzt an der inneren Membran zahlreiche EinstĂŒlpungen, die Cristae. Dadurch wird die OberflĂ€che der inneren Membran, an der chemische Reaktionen stattfinden können, erheblich vergrĂ¶ĂŸert und ihre FĂ€higkeit, ATP zu produzieren, erhöht. Die innere Membran enthĂ€lt große Proteinkomplexe der Atmungskette, welche fĂŒr die Energiegewinnung zustĂ€ndig sind. Der andere Mitochondrien-Typ heißt Tubuli-Typ und findet sich beispielsweise in steroidproduzierenden Zellen; bei ihm bildet die innere Membran Röhren (Tubuli mitochondriales) aus.cite-ref-munk-22-1[22]

Bei schlauchförmigen EinstĂŒlpungen mit perlenartigen runden Aussackungen spricht man vom Sacculi-Typ. Bei Mitochondrien einer Leberzelle ist die FlĂ€che der inneren Membran etwa fĂŒnfmal grĂ¶ĂŸer als die der Ă€ußeren Membran. Dieses VerhĂ€ltnis ist variabel, und Mitochondrien aus Zellen mit erhöhtem Bedarf an ATP, wie Muskelzellen, enthalten noch mehr Cristae. Die Cristae sind an der Innenseite mit kleinen runden Körpern mit einem Durchmesser von 8,5 nm, besetzt, die als F1-Partikel, Elementarpartikel oder ATP-Synthase-Partikel bekannt sind. Hier findet im Verlauf der Zellatmung die ATP-Bildung statt. Die EinstĂŒlpungen oder Falten der inneren Membran sind nicht zufĂ€llig und können ihre chemiosmotische Funktion beeintrĂ€chtigen.cite-ref-mannella-23-0[23]

Mitoplast

Mitoplast ist eine Bezeichnung fĂŒr das Mitochondrium ohne Außenmembran: ein Mitochondrium, dessen Außenmembran (fĂŒr Untersuchungszwecke) entfernt wurde, so dass nur noch die intakte Innenmembran nebst Inhalt (Matrix) vorhanden ist.cite-ref-24[24]

Matrix

Der durch die innere Membran umschlossene Raum wird Matrix genannt. In ihm sind ⅔ aller Proteine eines Mitochondriums enthalten.cite-ref-alberts-12-5[12] Die Matrix ist wichtig bei der ATP-Produktion, die mit Hilfe der ATP-Synthase stattfindet. Die Matrix enthĂ€lt eine hochkonzentrierte Mischung aus Hunderten von Enzymen sowie die speziellen mitochondrialen Ribosomen (Mitoribosomen), tRNA und mehrere Kopien des mitochondrialen Genoms (Mitogenoms). Außerdem ist in ihm die Konzentration an Intermediaten (Zwischenprodukten) des Citratzyklus der Beta-Oxidation sehr hoch. Zu den Hauptaufgaben der Enzyme gehört die Oxidation von Pyruvat und FettsĂ€uren sowie der Citratzyklus.cite-ref-alberts-12-6[12]

Da Mitochondrien eigenes genetisches Material besitzen, können sie selbst RNA und Proteine herstellen (Transkription und Translation). Es wurde gezeigt, dass in der mitochondrialen DNA-Sequenz (Mitogenom) 16.569 Basenpaare insgesamt 37 Gene codieren, davon 22 tRNA-, 2 rRNA- und 13 Peptid-Gene.cite-ref-anderson-25-0[25] Die 13 mitochondrialen Peptide sind in die innere Mitochondrienmembran integriert, zusammen mit Proteinen, die im Genom der Wirtszelle codiert sind und von ihr gebildet und dann eingeschleust werden.

mitoribosomen Die mitochondrialen Ribosomen (Mitoribosomen) unterscheiden sich von den eukaryotischen Ribosomen im Cytosol. Die Unterschiede zu bakteriellen Ribosomen sind vergleichsweise gering, aber vorhanden. Mitochondriale Ribosomen beim Menschen sind etwa 55S Svedberg-Einheiten groß, gegenĂŒber 70S bei Bakterien und 80S bei den cytosolischen Ribosomen. Es gibt zwar auch mitochondriale 70S-Ribosomen, aber nicht bei SĂ€ugern (Mammalia) einschließlich des Menschen.cite-ref-26[26]cite-ref-o-27-0[27] Der Intermembranraum zwischen den beiden Membranen enthĂ€lt Enzyme, die Nukleotide unter ATP-Verbrauch phosphorylieren können.

Mitochondrien-assoziierte ER-Membran (MAM)

Die Mitochondrien-assoziierte ER-Membran (MAM, englisch mitochondria-associated ER membrane) ist ein weiteres strukturelles Element, dessen entscheidende Rolle in der zellulĂ€ren Physiologie und Homöostase zunehmend erkannt wird. WĂ€hrend man einst vermutete, dass es nur eine permanent auftauchende Verunreinigung durch technische Schwierigkeiten bei der Fraktionierung sei, wurde es jetzt als membranöse Struktur an der Schnittstelle zwischen Mitochondrien und dem ER identifiziert.cite-ref-rizzuto-28-0[28] Eine physikalische Kopplung zwischen diesen zwei Organellen war bereits zuvor bei elektronenmikroskopischen Aufnahmen und in neuerer Zeit mit Fluoreszenz-Mikroskopie untersucht worden.cite-ref-rizzuto-28-1[28] Solche Untersuchungen ergaben die Vermutung, dass an der MAM, das bis zu 20 % der Ă€ußeren mitochondrialen Membran umschließt, ER und Mitochondrium nur noch durch eine 10–25 nm große LĂŒcke getrennt sind und beide durch einen Proteinkomplex zusammengehalten werden.cite-ref-rizzuto-28-2[28]cite-ref-hayashi-29-0[29]cite-ref-debrito-30-0[30]

Gereinigte MAM aus subzellulĂ€ren Fraktionierungen hat gezeigt, dass es neben Ca2+-IonenkanĂ€len auch mit Enzymen angereichert ist, die in den Phospholipidaustausch involviert sind.cite-ref-rizzuto-28-3[28]cite-ref-debrito-30-1[30] Diese Hinweise auf eine besondere Rolle der MAM in der Regulation der Fettspeicherung und SignalĂŒbertragung haben sich bestĂ€tigt, mit bedeutenden Auswirkungen fĂŒr mitochondrial-assoziierte zellulĂ€re PhĂ€nomene, wie nachfolgend diskutiert. MAM hat nicht nur einen Einblick in die zugrunde liegenden mechanistischen Grundlagen von physiologischen Prozessen wie der intrinsische Apoptose und der Ausbreitung von Calcium-Signalen gegeben, sondern es verfeinerte auch unsere Sicht auf die Mitochondrien. Obwohl sie oft als statische und isolierte „Kraftwerke der Zelle“ gesehen werden, unterstreicht die Entwicklung der MAM, inwieweit Mitochondrien in die Zellphysiologie integriert wurden, mit enger physikalischer und funktioneller Kupplung ans Endomembransystem.

Phospholipid-Transfer

Die MAM ist angereichert mit Enzymen, die in der Lipid-Biosynthese involviert sind, wie z. B. Phosphatidylserin-Synthase auf der ER-OberflĂ€che und Phosphatidylserin-Decarboxylase auf der mitochondrialen OberflĂ€che.cite-ref-vance-31-0[31]cite-ref-lebiedzinska-32-0[32] Da Mitochondrien als dynamische Organellen stĂ€ndig Spaltung und Fusion durchlaufen, mĂŒssen sie fĂŒr die MembranintegritĂ€t konstant und ausreichend reguliert mit Phospholipiden versorgt werden.cite-ref-twig-33-0[33]cite-ref-osman-34-0[34] Allerdings sind Mitochondrien nicht nur ein Ziel fĂŒr Phospholipide, sondern spielen auch eine Rolle beim Austausch zwischen Organellen von (Zwischen-)Produkten des Phospholipid-Biosynthesewege, des Ceramid- und Cholesterinstoffwechsels sowie Glykosphingolipid-Anabolismus.cite-ref-lebiedzinska-32-1[32]cite-ref-osman-34-1[34]

Die TransportkapazitĂ€t dieser Stoffe ist von der MAM abhĂ€ngig, von der gezeigt worden ist, dass sie den Transfer von Lipidzwischenprodukten zwischen Organellen erleichtert.cite-ref-vance-31-1[31] Im Gegensatz zum Standard-Vesikel-Mechanismus des Lipidtransfers gibt es Hinweise, dass die rĂ€umliche NĂ€he des ER zur Mitochondrienmembran beim MAM das Flippen zwischen gegenĂŒberliegenden Lipiddoppelschichten ermöglicht.cite-ref-osman-34-2[34] Trotz dieses ungewöhnlichen und scheinbar energetisch ungĂŒnstigen Mechanismus, erfordert solch ein Transport kein ATP.cite-ref-osman-34-3[34] Stattdessen wurde eine AbhĂ€ngigkeit von einem Multiproteinkomplex gezeigt, der ERMES (englisch ER-mitochondria encounter structure) genannt wird, auch wenn unklar bleibt, ob dieser Komplex den Lipidtransfer direkt vermittelt oder aber erforderlich ist, um die Membranen in ausreichender NĂ€he zueinander zu halten, um so die Energiebarriere fĂŒr ein direktes Lipid-Flipping zu senken.cite-ref-osman-34-4[34]cite-ref-kornmann-35-0[35]

MAM könnte auch Teil des sekretorischen Mechanismus sein, zusĂ€tzlich zu seiner Rolle beim intrazellulĂ€ren Lipid-Stoffaustausch. Speziell scheint MAM eine Zwischenstation zwischen dem rauen ER und dem Golgi-Apparat zu sein, in dem Stoffwechselweg, der zu Very Low Density Lipoproteinen (VLDL) fĂŒhrt.cite-ref-lebiedzinska-32-2[32]cite-ref-rusinol-36-0[36] Die MAM dient somit als entscheidender Stoffwechsel- und Umschlagplatz im Fettstoffwechsel.

Calcium-Signalgebung

Die bedeutende Rolle des ER fĂŒr die Calcium-Signalgebung war lange vor der des Mitochondriums anerkannt; zum Teil, da die geringe AffinitĂ€t der Ca2+-KanĂ€le in der Ă€ußeren Membran der angeblichen Verantwortlichkeit des Organells fĂŒr intrazellulĂ€re Ca2+-Ströme völlig widersprach.cite-ref-rizzuto-28-4[28] Durch die Anwesenheit des MAM wird dieser scheinbare Widerspruch aufgelöst: Die enge rĂ€umliche Verbindung zwischen den beiden Organellen resultiert in Ca2+-MikrodomĂ€nen an BerĂŒhrungspunkten, die eine effiziente Ca2+-Übertragung vom ER zu den Mitochondrien erleichtern.cite-ref-rizzuto-28-5[28] Die Übertragung erfolgt in Reaktion auf sogenannte „Ca2+-puffs“, erzeugt durch spontane Zusammenlagerung und Aktivierung von IP3R, einem anerkannten ER-Membran Ca2+-Kanal.cite-ref-rizzuto-28-6[28]cite-ref-hayashi-29-1[29]

Perspektive

Die MAM ist von entscheidender Bedeutung fĂŒr den Austausch von Information und Stoffwechsel­produkten in der Zelle, die eine Vernetzung der Physiologie von ER und Mitochondrien ermöglicht. Zwischen beiden besteht nicht nur eine strukturelle, sondern auch eine funktionelle Kopplung, die entscheidend fĂŒr die gesamte zellulĂ€re Physiologie und Homöostase ist. Die MAM ermöglicht damit eine Sichtweise auf die Mitochondrien, die von der traditionellen Sichtweise dieser Organellen als eine statische, isolierte Einheit abweicht. Stattdessen wird die Integration der Mitochondrien in verschiedene zellulĂ€re Prozesse betont, als das Resultat eines endosymbiontischen Vorgangs.

Funktion

‱ Wichtige Abbauwege: Citratzyklus, hierzu wird Pyruvat aus dem Cytosol in die Mitochondrienmatrix eingeschleust. Durch die Pyruvat-Dehydrogenase wird dann Pyruvat zu Acetyl-CoA decarboxyliert. Eine andere Quelle des Acetyl-CoA ist der FettsĂ€ureabbau (ÎČ-Oxidation), welcher in tierischen Zellen in Mitochondrien stattfindet, in pflanzlichen Zellen jedoch nur in den Glyoxysomen und den Peroxisomen.cite-ref-37[37] Hierzu wird Acetyl-CoA aus dem Cytosol ĂŒber Bindung an Carnitin durch die innere Mitochondrienmembran geschleust und zu Acetyl-CoA umgesetzt. Aus Acetyl-CoA wird im Citratzyklus (auch Krebs-Zyklus oder TricarbonsĂ€ure-Zyklus genannt) der ĂŒberwiegende Teil der ReduktionsĂ€quivalente (NADH+H+, FADH2) gewonnen, die dann innerhalb der Atmungskette in ATP umgewandelt werden.
‱ Atmungskette: Dabei wird mit Hilfe von Elektronen-TransportvorgĂ€ngen und durch Anreicherung von Protonen ein elektrochemischer Gradient zwischen dem Intermembranraum und der mitochondrialen Matrix aufgebaut, der dazu dient, mittels der ATP-Synthase, ATP herzustellen (siehe chemiosmotische Kopplung). Die zum Aufbau des Gradienten benötigten Elektronen und Protonen werden durch oxidativen Abbau aus den vom Organismus aufgenommenen NĂ€hrstoffen (z. B. Glucose) gewonnen. ZunĂ€chst lĂ€uft im Zytoplasma die Glykolyse ab.
‱ mitochondriale FettsĂ€uresynthese (mtFAS): essentiell fĂŒr die mitochondriale Biogenese und die Zellatmung.cite-ref-0-3-1[3] In Reaktion auf die VerfĂŒgbarkeit von mitochondrialem Acetyl-CoA baut die mtFAS Acylketten an die 4â€Č-Phosphopantethein-Gruppe des matrixlöslichen GerĂŒstproteins ACP (Holo-ACP) und erzeugt dabei Acyl-ACPs mit unterschiedlichen KettenlĂ€ngen von mindestens acht Kohlenstoffatomen.cite-ref-38[38] Unter diesen dient Octanoyl-ACP (C8) als VorlĂ€ufer fĂŒr die Biosynthese von LiponsĂ€ure.cite-ref-1-39-0[39] Da LiponsĂ€ure ein Cofaktor fĂŒr zentrale mitochondriale Enzymkomplexe ist – darunter der Pyruvatedehydrogenase-Komplex, der α-Ketoglutarat-Dehydrogenase-Komplex, der BCKDH-Komplex, der 2-Oxoadipat-Dehydrogenase-Komplex (OADHC) und das Glycinspaltungssystem (GCS) – hat die mtFAS einen erheblichen Einfluss auf den Energiestoffwechsel.cite-ref-40[40] Hingegen aktivieren lĂ€ngerkettrige Acyl-ACPs (C12-C18) allosterisch das Netzwerk der LYRM-Proteine, das beim Menschen aus mindestens 12 Mitgliedern besteht und die mitochondrialen Translation, die Biogenese von Eisen-Schwefel-Clustern und die Assemblierung der Komplexe der Elektronentransportkette reguliert.cite-ref-2-41-0[41]cite-ref-3-42-0[42] MtFAS und ACP koordinieren somit die Aktivierung der mitochondrialen Atmung in AbhĂ€ngigkeit von der SubstratverfĂŒgbarkeit.cite-ref-2-41-1[41]cite-ref-4-43-0[43] Dies ermöglicht es Zellen, ihre oxidative KapazitĂ€t bei SubstratĂŒberschuss zu erhöhen und verhindert, dass die Elektronentransportkette bei Substratmangel „trocken lĂ€uft“ und reaktive Sauerstoffspezies (ROS) bildet.cite-ref-4-43-1[43]cite-ref-3-42-1[42] DarĂŒber hinaus wird angenommen, dass die mtFAS eine Rolle als Mediator in der intrazellulĂ€ren Signalweiterleitung spielt, da sie bioaktive Lipide wie Lysophospholipide und Sphingolipide beeinflusst.cite-ref-44[44]
‱ Apoptose (Programmierter Zelltod)
‱ Calcium-Speicher: durch die FĂ€higkeit Calciumionen aufzunehmen und spĂ€ter wieder abzugeben, greifen Mitochondrien in die Calcium-Homöostase der Zelle ein.
‱ Synthese von Eisen-Schwefel-Clustern, die unter anderem von vielen Enzymen der Atmungskette benötigt werden. Diese Funktion wird inzwischen als die essentielle Funktion der Mitochondrien angesehen, d. h. als der Grund, warum fast alle eukaryotischen Zellen zum Überleben auf Mitochondrien angewiesen sind.cite-ref-45[45]
‱ Einzelne Schritte aus dem Harnstoffzyklus finden ebenfalls in Mitochondrien statt.

Evolution

Ursprung

Nach der Endosymbiontentheorie geht man davon aus, dass die Mitochondrien aus einer Symbiose von aeroben Bakterien aus der Gruppe der α-Proteobakterien mit den VorlÀufern der heutigen Eukaryoten hervorgegangen sind; unter den α-Proteobakterien galt zunÀchst die Verwandtschaft der Gattung Rickettsia als aussichtsreichster Kandidat. Ein alternativer Vorschlag aus dem Jahr 2003 ist die Aufnahme eines fakultativ anaeroben Bakteriums (Symbiont) durch ein methanogenes Archaeon (Wirt).cite-ref-martin2003-46-0[46] Im Jahr 2023 identifizierten Laura Eme, Daniel Tamarit et al. auf Basis einer vergleichenden Genom-Analyse die Ordnung Hodarchaeales innerhalb der Heimdallarchaeia (Asgard-Archaeen) als Schwesterklade der Eukaryoten unter den zu diesem Zeitpunkt bekannten Archaeen.cite-ref-eme2023-47-0[47] Ebenfalls im Jahr 2023 gaben Mauro Degli Esposti, Otto Geiger et al. die Ergebnisse ihrer Untersuchungen bekannt, nach unter den α-Proteobakterien nun die Verwandtschaft von Iodidimonas favorisiert wird, nicht die parasitischen Rickettsien.cite-ref-esposti2023-48-0[48]cite-ref-geiger2023-49-0[49]

Hinweise auf eine wie auch immer gestaltete Endosymbiose sind: die eigene genetische Information (mtDNA, Mitogenom oder – seltener – Chondriom), eine eigene Proteinsynthese – mit eigenen Ribosomen (Mitoribosomen) und eigenen tRNAs – und eine innere Membran, die sich deutlich vom Bau der Ă€ußeren Membran unterscheidet und die der Synthese von ATP aus ADP dient. Die Mitochondrien sind jedoch so spezialisiert, dass sie allein nicht lebensfĂ€hig sind. Sie sind relativ eng mit anderen, seltener auftretenden Organellen, den Hydrogenosomen, verwandt.cite-ref-boxma2005-50-0[50] Diesen fehlt jedoch meist – nicht immer – eigene DNA, genauso wie den ebenfalls verwandten Mitosomen.

MROs

Zusammen mit den Hydrogenosomen und Mitosomen werden Mitochondrien daher als „mitochondrienverwandte Organellen“ (englisch mitochondrion-related organelles, MROs) oder „mitochondrienĂ€hnliche Organellen“ (englisch mitochondrion-like organelles, MLOs) klassifiziert. Zu diesen gehören auch die anaeroben und DNA-freien Organellen von Henneguya salminicola (alias H. zschokkei, Myxozoa).cite-ref-51[51]cite-ref-52[52]cite-ref-53[53] Auch die Einzellergattung Blastocystis besitzt MLOs mit eigenem Genom.cite-ref-stechmann2008-54-0[54]cite-ref-tsaousisad-55-0[55]

Alle Eukaryoten besitzen fast ausnahmslos MROs, also Mitochondrien oder Organellen von einem dieser verwandten Typen. Eine Ausnahme ist Monocercomonoides (Excavata). Man nimmt an, dass diese Einzeller durch horizontalen Gentransfer ein zytosolisches System erworben hatten, um fĂŒr die Proteinsynthese erforderliche Eisen-Schwefel-Cluster bereitzustellen. Danach waren ihre mitochondrialen Organellen in all ihren Funktionen ĂŒberflĂŒssig und gingen verloren.cite-ref-karnkowskavacek2016-56-0[56]

Eine im Herbst 2020 veröffentlichte Studie legt anhand von umfangreichen Genomanalysen nahe, dass – obwohl bisher noch keine primĂ€r amitochondrialen Eukaryoten gefunden wurden – die Vorfahren der Eukaryoten zuerst ihre komplexen Genome mit den zugehörigen Strukturen und danach die Mitochondrien (oder VorlĂ€ufer davon) erworben haben.cite-ref-57[57]

Genom

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Hauptartikel

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Mitochondriale DNA

Die Mitochondrien besitzen (fast ausnahmslos) ein eigenes Genom (Chondriom, auch Mitogenom), das sich, hĂ€ufig mehrfach kopiert, in der mitochondrialen Matrix befindet. Das Genom liegt gewöhnlich in einer einzigen zirkulĂ€ren und doppelstrĂ€ngigen DNA (mtDNA) vor (siehe auch Plasmid), die aber in mehreren (etwa zwei bis zehn) Kopien vorliegen kann.cite-ref-wiesner-58-0[58] Die mtDNA besitzt einen eigenstĂ€ndigen Verdopplungszyklus. Mitochondrien werden als semiautonom bezeichnet, ihr Genom codiert selbst nur einen kleinen Teil der vom Mitochondrium benötigten Proteine. Bei Tieren besteht das Mitogenom typischerweise aus 37 Genen bei einer LĂ€nge von 16 kB (Basenpaaren). Beim Menschen kontrollieren die 37 mitochondrialen Gene die Synthese von 13 der ca. 80 Protein-Untereinheiten der Atmungskette, die restlichen 800–1000 verschiedenen mitochondrialen Proteine werden im Kerngenom kodiert.

Die nicht fĂŒr Proteine codierenden Gene der mtDNA codieren fĂŒr die rRNA und fĂŒr alle benötigten tRNAs.

VerÀnderungen im Mitochondriengenom werden in der Forschung zur AufklÀrung von Abstammungslinien der Arten, sowie verschiedener ethnischer Gruppen des Menschen genutzt, so etwa vom Genographic-Projekt.

Vermehrung

Mitochondrien werden nicht neu gebildet, sondern entstehen durch Wachstum und Sprossung. Der Großteil der mitochondrialen Proteine wird im Cytosol synthetisiert und anschließend in die Mitochondrien transportiert. Der Transport dieser Proteine in die Mitochondrien erfolgt ĂŒber die Ă€ußere Membran durch den TOM-Komplex (englisch translocase of outer mitochondrial membrane) und ĂŒber die innere Membran durch den TIM-Komplex (engl. translocase of inner mitochondrial membrane) und beinhaltet die Funktion von Chaperonen, besonders Hsp70.cite-ref-59[59]

Die Vermehrung der Mitochondrien ist ĂŒber alle Arten der Eukaryoten homolog und stark konserviert.cite-ref-60[60]

Ausmaß und Zeitpunkt der Mitochondrien-Vermehrung hĂ€ngen jeweils vom Bedarf ab. Bei der Zellteilung werden sie von der Mutterzelle auf die Tochterzellen verteilt.

Verbrauchte Mitochondrien werden mit Hilfe des Endoplasmatischen Retikulums, des Golgi-Apparats und der Lysosomen abgebaut.

Mitochondrien in komplexen Chloroplasten

Interessanterweise gibt es komplexe Chloroplasten (die nach der Endosymbiontentheorie aus einer sekundĂ€ren Endosymbiose eines Eukaryoten mit einer Algenzelle – beispielsweise einer Rotalge – entstanden sind) mit eigenen Mitochondrien. Einige Dinoflagellaten wie Kryptoperidinium und Durinskia (beide Peridiniaceae, auch englisch dinotoms)cite-ref-rstb-endosymbiosis-of-plastids-61-0[61] haben einen von Diatomeen (Heterokontophyta) abgeleiteten Chloroplasten.cite-ref-ajb-historyofplastids-62-0[62]cite-ref-63[63]cite-ref-64[64] Diese Chloroplasten sind von bis zu fĂŒnf Membranen umgeben,cite-ref-ajb-historyofplastids-62-1[62] je nachdem, ob man den gesamten Diatomeen-Endosymbionten als den Chloroplasten ansieht oder nur die darin enthaltene Rotalge als Chloroplast zĂ€hlt. Der Diatomeenendosymbiont ist relativ wenig reduziert worden – er behĂ€lt immer noch seine ursprĂŒnglichen Mitochondriencite-ref-rstb-endosymbiosis-of-plastids-61-1[61] und verfĂŒgt ĂŒber Endoplasmatisches Retikulum, eukaryotische Ribosomen, einen Zellkern und natĂŒrlich den von Rotalgen abstammenden komplexen (sekundĂ€ren) Chloroplasten – praktisch eine vollstĂ€ndige Zellecite-ref-grana-dinophyte-chloroplasts-65-0[65] – alles im Innern des Wirts.cite-ref-rstb-endosymbiosis-of-plastids-61-2[61]

Die Ocelloide der einzelligen Dinoflagellaten in der Familie Warnowiaceae (Warnowiiden) sind ebenfalls komplexe Organellen, zusammengesetzt aus Plastiden und Mitochondrien.

Mögliche Beziehungen zum Altern

Die Mitochondrien, als Kraftwerke der Zelle, können undichte Stellen in der Atmungskette aufweisen; d. h. bei der respiratorischen Oxidation kann es zur Freisetzung von Elektronen kommen. Diese können reaktive Sauerstoffspezies bilden, was oxidativen Stress verursachen kann, welcher zu einer hohen Mutationsrate der mitochondrialen DNA (mtDNA) fĂŒhren kann.cite-ref-66[66] Diese hypothetischen ZusammenhĂ€nge zwischen Altern und oxidativem Stress sind nicht neu und wurden bereits vor ĂŒber 50 Jahren vorgeschlagen.cite-ref-67[67] Sie werden in neueren Arbeiten angezweifelt.cite-ref-68[68]

Oxidativer Stress kann zu mitochondrialen DNA-Mutationen fĂŒhren, welche enzymatische Anomalien verursachen können, was wiederum zu weiterem oxidativem Stress fĂŒhren kann. Ein Teufelskreis ist möglich. Neuere Messungen haben jedoch ergeben, dass die Akkumulationsgeschwindigkeit von Mutationen in mitochondrialer DNAcite-ref-69[69] 1 Mutation pro 7884 Jahre betrĂ€gt (das heißt 10−7 bis 10−9 pro Base pro Jahr, die jĂŒngsten gemeinsamen Vorfahren von Menschen und Affen betrachtend), und damit vergleichbar ist zu den Mutationsraten autosomaler DNA (10−8 Basen pro Generationcite-ref-70[70]).

WĂ€hrend des Alterns der Mitochondrien können verschiedene Änderungen auftreten. Gewebe von Ă€lteren Patienten zeigen eine Abnahme der enzymatischen AktivitĂ€t der Proteine der Atmungskette.cite-ref-71[71] Mutationen der mitochondrialen DNA können jedoch nur in 0,2 % der sehr alten Zellen gefunden werden.cite-ref-72[72] Es wird angenommen, dass große Deletionen im mitochondrialen Genom zu einem hohen Maß an oxidativem Stress und dem Absterben von Neuronen fĂŒhren, als Auslöser der Parkinson-Krankheit.cite-ref-73[73]

Allerdings gibt es viele Diskussionen darĂŒber, ob mitochondriale VerĂ€nderungen Ursachen des Alterns sind oder nur Merkmale des Alterns. Eine reprĂ€sentative Studie an MĂ€usen zeigte eine verkĂŒrzte Lebensdauer, jedoch keine Erhöhung der reaktiven Sauerstoffspezies trotz steigender mitochondrialer DNA-Mutationen.cite-ref-74[74] Es ist jedoch zu beachten, dass bei alternden WildtypmĂ€usen nicht so viele Mutationen in der mitochondrialen DNA akkumulieren wie bisher vermutet (und diese Mutationen einen geringeren Effekt haben als gedacht),cite-ref-75[75] was Zweifel an der Bedeutung von Mutationen in der mitochondrialen DNA fĂŒr das natĂŒrliche Altern aufkommen lĂ€sst. Somit bleiben die genauen ZusammenhĂ€nge zwischen Mitochondrien, oxidativem Stress und Alterung ungeklĂ€rt.

Siehe auch
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Weblinks

Wiktionary: Mitochondrium

– BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

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Devin A. Reese: Lizard-like tuatara carry two distinct mitochondrial genomes, auf: ScienceNews vom 29. Januar 2021

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